Bedingungsloses Grundeinkommen als Utopie oder Konsequenz der Digitalisierung / Robotisierung?

Der Zusammenhang zwischen Bedingungslosem Grundeinkommen und Digitaler Bildung.

In der Debatte um die Vor- und Nachteile des Bedingungslosen Grundeinkommens stehen sich zwei diametrale Standpunkte gegenüber. Die einen verstehen die Idee, dass jeder Bürger einen bestimmten Betrag zur Deckung des Lebensunterhaltes ohne jede daran geknüpfte Bedingung erhalten, als nicht finanzierbare und ökonomisch unsinnige Utopie. Die anderen betrachten es als eine Notwendigkeit und schlichte Konsequenz der Digitalisierung, die in zunehmendem Maße die herkömmliche Möglichkeit der meisten Menschen zum Bestreiten ihres Lebensunterhaltes – die Lohnarbeit – unterminiert und schließlich sogar gänzlich nimmt.

Tritt letztgenanntes ein, bekommt die Diskussion um die Relevanz Digitaler Bildung eine weitere wichtige Facette hinzu, um die Absolventen von morgen besser auf den Paradigmenwechsel vorzubereiten und Ihnen die Fähigkeit zu geben, die Zukunft kompetent mitzugestalten statt zu ertragen.

 

Die grundsätzlichen Prämissen

Die Idee des Bedingungslosen Grundeinkommens und insbesondere ihre zunehmend weite Verbreitung gerade auch in der gesellschaftlichen Mitte basiert auf ganz grundsätzlichen ökonomischen und gesellschaftlichen Prämissen.

Dazu gehört die Feststellung, dass eine durch Technologie erhöhte Produktivität zu einem geringeren Bedarf an menschlichen Arbeitskräften führt (insbesondere, aber nicht ausschließlich in der Produktion). Diese Prämisse wird kaum bestritten.

Die zweite Prämisse lautet: Für die meisten Menschen in unserer Gesellschaft ist Erwerbsarbeit das Verteilungsinstrument des produzierten Reichtums. Das bedeutet, Erwerbsarbeit, also eine ganz bestimmte, anerkannte Form von Arbeit, ist die Bedingung zur Teilhabe am produzierten Reichtum.

 

Die erwarteten Folgen der Digitalisierung

Auf diese beiden Prämissen trifft nun die Digitalisierung mit all ihren Formen wie Robotik, Künstliche Intelligenz, Autonomes Fahren, 3D-Druck usw.

Trotz aller positiven Effekte der Digitalisierung im Bezug auf unsere Produktivität könnten dem Ergebnis zahlreicher Studien nach innerhalb der nächsten 10 oder 20 Jahre etwa die Hälfte aller Jobs wegfallen. Darin eingeschlossen ist die Zahl der Jobs, die durch die Digitalisierung neu geschaffen werden. Damit bestätigen sie quasi die erste Prämisse.

Die Ursache im Wegfall der Jobs liegt insbesondere darin, dass technische Lösungen und Algorithmen individuelle Aufgaben und Leistungen nicht nur schneller, sondern auch qualitativ besser substituieren werden.

Die erste Prämisse würde induzieren, dass knapp die Hälfte der Erwerbstätigen schlicht keine Möglichkeit zur Erwerbstätigkeit mehr hat. Wenn also Erwerbstätigkeit die Bedingung für die Teilhabe am produzierten Reichtum ist, dann fällt diese Teilhabe in der Konsequenz für fast die Hälfte der bis dato Erwerbstätigen weg. Betroffen wären davon allerdings noch weit mehr Menschen, da z. B. Kinder keine Erwerbstätigen sind, sondern von einem Erwerbstätigen versorgt werden.

 

Gesellschaftliche Herausforderung und die Pflicht zur Digitalen Bildung als Konsequenz

Die wichtigste Folge und gleichzeitig das größte Problem stellt die Frage dar, wie die Versorgung von diesem großen Teil der Bevölkerung in Zukunft gewährleistet werden kann. Wenn Erwerbsarbeit die Bedingung für die Möglichkeit zum Bestreiten des Lebensunterhaltes ist und wenn mehr als die Hälfte der Bevölkerung diese Möglichkeit mangels und ggf. sogar trotz Digitalkompetenz faktisch nicht hat, folgt daraus ein Problem der grundlegenden Versorgung mit Nahrung, Wohnung und Kleidung. Dieses Problem muss auf die eine oder andere Weise gelöst werden. Dabei ist es offenkundig, dass die momentanen umlagefinanzierten Sozialversicherungssysteme keine Lösung sein können und bereits heute unter der demographischen Entwicklung leiden.

 

Das Bedingungslose Grundeinkommen als Lösung

Dass das Bedingungslose Grundeinkommen das skizzierte Problem der mangelnden Möglichkeit zur Versorgung lösen würde, lässt sich kaum bestreiten. Der große Kritikpunkt an dieser Lösung bei den Abwägungen der Vor- und Nachteile ist stets die Frage der Finanzierbarkeit. Diese Frage ignoriert in vielen Fällen allerdings die tatsächlichen Vermögensverhältnisse und auch ausgerechnet die durch den technologischen Fortschritt erstandene und zunehmende Produktivität.

Das Steuersystem zu ändern, also eine Besteuerung von Kapital und Wertschöpfung statt Lohn, könnte den Zugriff auf die nötigen Ressourcen eventuell gewährleisten. Die mehrfach öffentlich geäußerte Idee einer Robotersteuer geht z. B. in diese Richtung.

Wichtig ist dabei zu verstehen, dass dieses Problem ein Problem der gesellschaftlichen Organisation ist und nicht etwa ein ökonomisches Problem. Es ist ein Problem der Verteilung und nicht der Produktion. Es geht dabei um die Art des Zusammenlebens und darum, die hohe Produktivität auch für den Großteil der Bevölkerung in neuer Form sinnvoll zu allokieren.

Darüber hinaus stellt sich die Frage, ob jeder Einzelne genug Verständnis von der Digitalisierung selbst hat, um medienkompetent zu handeln und sich in der Welt des gläsernen Menschen von morgen zurecht zu finden.

 

Das Bedingungslose Grundeinkommen als Utopie

Die eigentliche Utopie des Bedingungslosen Grundeinkommens besteht nicht in der Funktionalität, wie sie insbesondere mit dem Verweis auf die Unmöglichkeit der Finanzierung häufig angeführt wird. Stattdessen ist es die realistische Möglichkeit des Zustandekommens, die als utopisch bezeichnet werden könnte. Denn es käme einer erheblichen Reform des Zusammenlebens in der Gesellschaft und des bestehenden Steuersystems gleich. Eine (eklatante) Besteuerung von Kapital und Wertschöpfung statt Lohn ist eine Maßnahme, die klar gegen diverse partikulare Interessen mit maßgeblichen ökonomischen und politischen Einflüssen einhergeht. Der Utopie von dem Gelingen der positiven Gestaltung dieser kommenden gesellschaftlichen Umwälzungen kann auch eine Dystopie von verelendeten Massen entgegengestellt werden. Es geht also tatsächlich um die grundsätzliche Art des Zusammenlebens und darum, sie aktiv und positiv zu gestalten.

Ein wesentlicher erster Schritt, um auf die Umwälzungen der folgenden Jahre adäquat zu reagieren, wäre die systematische Ausrichtung der Bildungssysteme auf Digitale Bildung und die zeitgleiche Vermittlung möglicher Konsequenzen der Digitalisierung an unsere Politik, Wirtschaft und letztlich die Jugend, damit sie sich gedanklich darauf einstellen können und im besten Falle vorbereitet sind.

 

Quelle: „Folgen der Digitalisierung für die Arbeitswelt“ (PDF) vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg

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