Die Auswirkungen von Sprachassistenten

Welche Wirkung hat der Einsatz von Sprachassistenten wie Alexa und Siri auf unsere Sprache? Verroht unter Umständen durch die Computerstimmen unsere Kommunikation? Diese Bedenken äußern inzwischen Forscher aus einem einfachen Grund: Die Assistenten geben überwiegend Anweisungen, einen unverbindlichen Plauderton beherrschen sie nicht.

Das meint beispielsweise Holger Schulze, der eigentlich Musikwissenschaftler ist und sich mit den konnotativen (Gefühle transportierenden) und denotativen (Informationen verschlüsselnden) Aspekten der Kommunikation durch Sprachassistenten befasst hat. Dass Schulze diese Idee hat, verwundert nicht: Die Musikwissenschaft konstatiert und analysiert diese beiden Teilbereiche in Musikstücken und gesprochenen Worten schon seit den 1980er Jahren. Aus der emotionalen Wirkung von Musik leiteten die Forscher folgerichtig ab, dass auch die Sprachbetonung sehr viele differenzierte Gefühle überträgt.

Wie reden Alexa, Siri, Cortana & Co. mit uns?

Sprechende Maschinen sind inzwischen um uns, sie schlichen sich in den letzten Jahren unaufhaltsam zuerst ins Auto (Navi) und dann in unsere Haushalte und Büros. Sie sind zweifellos sehr nützliche Helfer, da sie inzwischen nicht nur Anweisungen geben, sondern auch unsere Worte (und Anweisungen) verstehen. Doch genau dort liegt der Hund begraben, meinen Wissenschaftler wie Schulze: „Wir kommunizieren mit den Maschinen per Anweisung – die wir geben und empfangen. Das färbt zweifellos gerade auf jüngere Menschen ab. Schon Kinder gewöhnen sich an, im Befehlston zu sprechen. Ihre Sprachgewohnheiten werden durch den konnotativen Duktus der Maschinen geprägt. Die Sprachassistenten schlagen nicht höflich vor, “wenn Sie möchten, könnten Sie jetzt …”, vielmehr weisen Sie an: “Biegen Sie links ab!”

Woher kommt diese Gefahr für unsere Sprache?

Der Hintergrund findet sich in der Programmierung der digitalen AssistentInnen. Alexa und Siri verstehen ihrerseits nur eine klare Ansage wie „stell die Musik lauter!“, welche Kinder so geben müssen, wenn sie mit der heimischen Helferin (es werden fast durchweg Frauenstimmen verwendet) kommunizieren wollen. Die klaren imperativen Sätze übernimmt das Kind dann in seine Kommunikation mit Menschen. Die Wirkung auf die Sprache kann indes verheerend sein, denn das Kind wird zu einer Stimmdeformation und permanenten Professionalisierung seines Sprechens gezwungen. Wissenschaftler wie Holger Schulze, der an der Uni Kopenhagen forscht, nennen das “permanentes explizites Sprechen”. Unser gewohntes intimes, von vielen Nuancen geprägtes Sprechen hingegen, das aus begeisternden Redeschwallen ebenso wie aus müden Halbsätzen besteht, wird verdrängt. Dieses macht jedoch uns Menschen aus, damit offenbaren wir eigentlich unsere Gefühle. Nun meinen Forscher, dass die Computersprache zurück auf unsere Gefühlswelt wirkt – und damit zu einem Stück Verrohung beiträgt. Allerdings gibt Schulze in rein technischer Hinsicht auch Entwarnung. Möglicherweise stecke einfach die Mensch-Maschinen-Kommunikation noch sehr in den Kinderschuhen und werde sich in den nächsten Jahren nuancenreicher und damit auch positiv konnotierter entwickeln, so der Wissenschaftler.

Diskussion über ein verzerrtes Frauenbild durch Alexa & Co.

Als kürzlich Leah Fessler vom Onlineportal Quartz konstatierte, dass keines der getesteten Sprachassistenz-Programme ein wünschenswertes Frauenbild vermittelt, reagierten die Hersteller Anfang 2018 prompt mit Updates, welche in Teilen „moralische Imperative“ einbinden. Alexa, Cortana und Kolleginnen sollten sexuelle Belästigung erkennen und entsprechend entschieden reagieren. Die Folge ist eine bis heute anhaltende Diskussion zwischen verschiedenen Interessengruppen.

Meinung des BVDB:

Was diese „nicht-menschliche Entität“ für das Zusammenleben bedeutet, ist bezogen auf die Erziehung unserer Kinder noch unklar. Um so wichtiger ist ein objektiver Umgang mit der Technologie und eine ideologiefreie, wissenschaftliche Untersuchung potenzieller Auswirkungen.

Aus diesem Grund ist Vorsicht geboten, welchen Grad an Vermenschlichung und Servilität wir Technologie bzw. einer Maschine beimessen. Es erscheint uns zudem wenig sinnvoll, Herstellern die Aufgabe zuzuweisen, Zielvorgaben für Sprachregeln zu implementieren, welche die Grenzen des Sagbaren immer weiter einzuschränken versuchen.

Letztlich sollten wir es den Eltern und unserem Umfeld überlassen, Kindern den kategorischen Imperativ, Werte und Moralvorstellungen, aber auch den Unterschied zwischen Mensch und Technologie beizubringen. Die Einführung  von politischer Korrektheit und gendergerechter Sprache bemessen einer Maschine, die letztlich einer Sache gleichgestellt ist, einen deutlich zu relevanten Referenzpunkt.

 

Quellen:

http://www.zeit.de/digital/internet/2018-01/sprachassistenten-alexa-sexismus-feminismus-sprachsteuerung-ki

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/alexa-ist-jetzt-feministin-echo-wurde-umprogrammiert-15429673.html

http://www.sprachass.de/alexa-fuer-kinder.php

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