Digitale Bildung: Aktuelle Trends und Methoden

Die Frage, wie wir in einer zunehmend vernetzten Schul- und Arbeitswelt digitale Kompetenzen am besten erwerben und vermitteln können, ist von großer Bedeutung für Lehrende, Schüler/innen und Eltern. Sie umfasst Aspekte der Planung und Aufbereitung digitaler Inhalte, der Bereitstellung notwendiger Infrastruktur sowie der Förderung einer Kultur der Neugier und Aufgeschlossenheit gegenüber technischen Innovationen im Bereich der Bildung.

Die Furcht vor der „Digitalen Demenz“

Befürchtungen, dass mit zunehmender Digitalisierung des Unterrichts soziale und praktische Fähigkeiten und Kompetenzen in den Hintergrund rücken, quasi das Schreckbild vom „digitalen Analphabeten” produzieren könnten, haben sich nicht bestätigt. Aktuelle Studien belegen, dass das vernetzte Klassenzimmer zu erhöhter Aufmerksamkeit und verbesserter Interaktion bei Schülerinnen und Schülern führt. Begründet wird das damit, dass das gemeinsame Erarbeiten von Lernstoff durch Recherche im Internet, Erstellen von multimedialen Präsentationen und Nutzen von Lernvideos die Motivation der so Unterrichteten nach eigener Aussage – und mittlerweile auch durch Pädagogen bestätigt – stark erhöht. Digitalisierung in der Schule sollte somit als Chance begriffen werden – nicht zuletzt deshalb, weil auch pädagogisch sensible Bereiche wie Inklusion, Ganztagsbetreuung und die Förderung lernschwacher Schüler und Schülerinnen davon profitieren.

Großer Aufholbedarf bei Lehrerinnen und Lehrern

Zumindest theoretisch sind auch Lehrende und Leitungspersonal an Schulen vom Nutzen digitaler Medien überzeugt. Technik in der Schule, neue Methoden der Wissensvermittlung und ein bewusster Umgang mit digitalen Medien werden größtenteils positiv bewertet und als sinnvolle Alternative zur herkömmlichen pädagogischen Praxis empfunden. In den Schulalltag haben die neuen Methoden dennoch vielerorts noch nicht Einzug gefunden. Das liegt zum einen an der unzureichenden technischen Ausrüstung vieler Bildungseinrichtungen, zum anderen an der ebenfalls vorhandenen grundsätzlichen Skepsis der Unterrichtenden den neuen Technologien gegenüber. Oft scheitert es auch schon an grundlegenden Voraussetzungen: Manche Lehrer bemängeln etwa, dass an ihren Schulen nicht einmal ein WLAN mit ausreichender Reichweite zur Verfügung steht. Unter solchen Bedingungen ist es selbstverständlich schwierig bis unmöglich, einen aus medienpädagogischer Sicht sinnvollen Unterricht zu gestalten.

Medienpädagogische Pläne für den Unterricht im 21. Jahrhundert

Was braucht es nun, damit Schulen didaktisch und methodisch im 21. Jahrhundert ankommen und sich den Herausforderungen einer digitalisierten Gesellschaft stellen können? Eine gute technische Umsetzung alleine macht noch keine vernetzte Schule, ist aber eine wichtige Ausgangsbasis für den Erfolg solcher Projekte. Im Klassenzimmer Zugang zum Internet zu haben, den Unterricht mit technischen Hilfsmitteln wie Notebooks, Videobeamern, interaktiven Whiteboards und Tablets gestalten zu können, darf nicht als unnötiger Luxus abgetan werden. Schülerinnen und Schüler üben nicht zuletzt durch die selbstverständliche Integration dieser Tools in die Sphäre des Wissenserwerbs einen aktiven und fordernden Umgang mit digitalen Apps, die sie gewöhnlich nur als passive Medien des Zeitvertreibs wahrnehmen.

Aus medienpädagogischer und didaktischer Sicht sind Lehrende hierbei besonders gefordert: Sie sind verantwortlich dafür, dass die Integration neuer Techniken zum Nutzen der gesamten Klassengemeinschaft stattfindet. Auf individuelle Bedürfnisse muss dabei ebenso eingegangen werden wie auf das Umsetzen gemeinsamer digitaler Projekte und die Auswahl geeigneter Lernsoftware. Der Trend geht dabei nicht in die Richtung, herkömmliche Unterrichtsmaterialien gänzlich zu ersetzen. Es geht vielmehr darum, eine sinnvolle Ergänzung zu Schulbüchern, Vokabelheften und Formelsammlungen zur Verfügung zu stellen, die es den Anwenderinnen ermöglicht, eigenständig Aufgaben zu lösen, Fehler und Schwächen zu erkennen und gegebenenfalls Hilfestellung zu erhalten.

Lernen von Vorreitern

Vor wenigen Tagen veröffentlichte der Spiegel einen Artikel (siehe unten), welcher das Thema am Beispiel Estlands und deren Erfahrungen mit einem ganzheitlich gedachten Ansatz schildert. Hier zeigt sich, dass es bereits spannende Umsetzungen in anderen Ländern gibt, von denen wir lernen können. Das bedeutet natürlich nicht, Strukturen und Prozesse im Bildungswesen anderer Länder blindlings zu kopieren oder Lobbyisten Einzug in unseren Bildungslandschaften zu gewähren, aber es lassen sich sinnvolle Mechanismen ableiten und als Blaupause mit den Stärken unseres Bildungswesens kombinieren.

Vorreiter für digitale Bildung an Schulen in Deutschland – und damit für das eigens adaptierte Tablet für jeden Schüler, jede Schülerin – sind aus Kostengründen hingegen häufig elternfinanzierte Klassen. Es gibt jedoch zahlreiche Projekte, die sich um die Entwicklung von Gesamtpaketen für öffentliche Schulen bemühen. Dazu gehören unter anderem die Entwicklung von Schul-Tablets mit individualisierbarer Software, die zu besonders günstigen Preisen angeboten werden sollen. Besonderes Augenmerk wird dabei auf Feedback-Funktionen gelegt, die die Verfolgung individueller Lernfortschritte erlauben. Schulen, die an solchen Projekten teilnehmen wollen, bietet der BVDB umfassende Beratung und Begleitung zur Medienkompetenzplanung und bei der Beachtung von Sicherheits- und Datenschutzaspekten an.

Weiterführende Informationen:

http://www.spiegel.de/lebenundlernen/schule/estland-digitalisierung-an-schulen-zu-besuch-im-digitalen-klassenzimmer-a-1176271.html

 

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