Lern-Apps und der laute Ruf nach digitalen Bildungsmedien

Die Digitalisierung von Schule und Unterricht ist in aller Munde. Spätestens seit Ende 2016 ist klar: Es führt kein Weg mehr an ihr vorbei. Die scheidende Bildungsministerin Johanna Wanka beschloss bereits die Ausstattung von Schulen mit fünf Milliarden Euro zu unterstützen, um Endgeräte anzuschaffen und Internetanbindungen auszubauen. Auch die Kultusministerkonferenz legte fest, dass digitale Kompetenzen zum festen Bestandteil aller Schulfächer werden.

Wir sehen vor lauter Apps die Digitalisierung nicht

Der Ruf nach digitalen Lernmedien für den deutschen Schulbetrieb wird in den nächsten Jahren also noch lauter werden. Tatsächlich gibt es bereits eine Vielzahl von Bildungs-Apps, aber für Eltern und Lehrkräfte ist die Auswahl mit Unsicherheiten verbunden: Deckt eine App wirklich alle im Curriculum vorgegebenen Themen für ein Fach ab? Ist sie für Kinder und Jugendliche geeignet und wo genau liegt der Mehrwert zum klassischen Übungsheft?

Wer zum Beispiel nach einer Mathe-App sucht, merkt schnell: Es gibt zig Angebote, die aber häufig nur Teilbereiche der Mathematik abdecken, keine schlüssige Umsetzung aufweisen oder Vorteile eines digitalen Angebots nicht ausschöpfen. Digitalisierte Schulbücher sind ebenso wenig eine Bereicherung für den Lernprozess und greifen die Idee der Digitalisierung verkehrt auf.

Aber es gibt vereinzelt Hoffnung. Im Fach Mathematik müssen keine langen Texte o.Ä. verfasst werden und so können Ergebnisse sehr leicht automatisiert geprüft werden. Das heißt: Bei der Konzeption einer App eröffnen sich besonders viele Möglichkeiten. Statt Aufgaben wie in einem Mathebuch darzustellen, können sie in ein Spiel eingebettet werden, das die Lernenden zum Üben animiert. Zum Beispiel durch die Identifizierung mit einer wiederkehrenden Figur, Highscores oder kleinen Belohnungen nach einzelnen Übungen. Das ist zwar noch kein ganzheitlicher Ansatz, aber ein zumindest ein guter Anfang.

Chancen der Digitalisierung nutzen

Auf Anbieter von Unterrichts- und Lehrmaterial kommt mit der Digitalisierung also eine neue Herausforderung zu – aber auch eine große Chance. Simplizität, Vertrauen und Effizienz sind bei zukünftigen Produkten die großen Stichwörter. Die bisherigen Unterrichtsmaterialien müssen mit System und dem Anspruch einer „wahren“ Digitalisierung in interaktive Apps für einen digitalen Unterricht überführt werden. Dann sind die neuen Angebote genauso übersichtlich und verlässlich, wie die bisherigen.

Die Folgen: Eltern haben wieder eine bessere Orientierung und Lernende arbeiten weiterhin mit verlässlichen Unterlagen. Schulen können auf digitales Material mit System zurückgreifen und müssen nicht mehr mühsam Konzepte entwickeln oder geeignete Apps suchen. Es ist also an der Zeit, dass sich auch ein attraktives Angebot formt und ein Umdenken unter den Anbietern von Lernmaterial durchsetzt. Bei einer erfolgreichen Umsetzung werden schlussendlich alle Beteiligten profitieren.

Quellen:

http://www.sueddeutsche.de/bildung/schule-wanka-will-digitale-bildung-an-schulen-mit-fuenf-milliarden-foerdern-1.3202332

https://www.kmk.org/presse/pressearchiv/mitteilung/strategie-bildung-in-der-digitalen-welt.html

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