Augmented Reality – In beruflichen Ausbildungen jetzt schon alltäglich

Es gibt viele Zitate, die das Thema „Digitalisierung“ gut beschreiben. Eins der bekanntesten Zitate stammt von Peter Glaser, Ehrenmitglied des Chaos Computer Clubs, und verdeutlicht die Dimension, die die digitale Transformation mit sich bringt:
„Alles, was digitalisierbar ist, wird digitalisiert werden. Alles.“

Damit wird deutlich, dass die Digitalisierung alle Lebensbereiche erreichen wird und das alltägliche Leben komplett verändert. In einigen Branchen sind die Auswirkungen heute schon deutlich zu spüren. Beim Einkaufen und Shoppen ist es beispielsweise heute völlig normal online nach dem besten Preis zu schauen und digital Artikel zu vergleichen. Vor 25 Jahren hingegen gab es diese Möglichkeiten noch nicht und der lokale Einzelhandel hatte eine viel höhere Bedeutung als heutzutage. Auch die Musikindustrie wurde von den neuen Technologien überrascht. Während es Anfang der 2000er noch völlig normal war, CDs zu hören, sind heute Streaming-Plattformen wie Apple Music und Spotify allgegenwärtig. Die Liste der Industriezweige, die stark vom digitalen Wandel betroffen sind, lässt sich noch weiter verlängern. Die Taxiindustrie wurde von der Plattform Uber überrascht, stationäre Videotheken müssen mit Streaming-Anbieter wie Netflix konkurrieren und selbst alteingesessene Banken fürchten sich vor PayPal und Adyen. Grund für den rasanten Wandel sind vor allem die signifikanten Vorteile für den Endverbraucher. Egal ob beim Einkaufen oder beim Musikhören, die Digitalisierung hat das Leben für viele vereinfacht.

Digitalisierung als Chance und Risiko

Zahlreiche wissenschaftliche Quellen bestätigen, dass der digitale Wandel nicht mehr aufgehalten werden kann. Für viele Unternehmen ist dieser Trend sowohl eine Chance als auch ein Risiko. Die genannten Beispiele zeigen, dass komplette Branchen, wie beispielsweise die CD-Industrie oder – man erinnere sich – auch ein Siemens Mobile oder Nokia, von der digitalen Transformation disruptiert werden können. Andererseits sind die Chancen für Unternehmen und Erfinder, wenn wesentliche Trends früh erkannt und verwirklicht werden, nahezu unermesslich. Unter den fünf wertvollsten Unternehmen der Welt befinden sich mit Apple, Microsoft, Amazon und der Google-Mutter Alphabet gleich vier Technologieunternehmen, die vom digitalen Wandel profitieren. Viele weitere digitale Unternehmen konnten innerhalb von wenigen Jahren von einem kleinen Start-Up zu einem bedeutendem Global Player wachsen.
Aus diesem Grund befassen sich unzählige Unternehmen mit den Chancen sowie Möglichkeiten der digitalen Transformation und bieten neue Technologien für verschiedenste Einsatzgebiete an. Relativ neue Ansatzpunkte sind dabei Augmented Reality (erweiterte Realität) und Virtual Reality (virtuelle Realität). Aktuell wird viel mit den Technologien getestet und der ideale Einsatzort dafür gesucht. Dabei kristallisiert sich heraus, dass der Einsatz von Augmented Reality und Virtual Reality bei beruflichen Aus- und Weiterbildungen sehr nützlich ist.

Was ist der Unterschied zwischen Augmented Reality und Virtual Reality?

Im Alltag werden die beiden Begriffe häufig als Synonyme verwendet. Experten wissen aber, dass es sich dabei um unterschiedliche Technologien handelt. Bei Augmented Reality nutzt der User ein Endgerät (Datenbrille, Tablet, Smartphone, etc.), um die reale Umgebung mit zusätzlichen Grafiken oder Informationen zu erweitern. Weltweit bekannt wurde Augmented Reality im Jahr 2016 durch die Veröffentlichung der App Pokémon Go. Mit Hilfe der App konnten die Pokémon mit realen Hintergründen sichtbar gemacht werden. Die Gamer konnten also beispielsweise ein Pikachu auf dem Spielplatz oder ein Glumanda auf der Straße antreffen. Binnen weniger Tage wurde die App millionenfach heruntergeladen. Auf der ganzen Welt jagten Menschen die virtuellen Pokémons. Augmented Reality war innerhalb von wenigen Tagen allgegenwärtig.
Neben dem spielerischen Element gibt es weitere Beispiele, die aufzeigen, dass Augmented Reality bereits vielfältig genutzt wird. In der Wartung und Instandhaltung können sich Techniker per Augmented Reality zum Beispiel Informationen zur Maschine anzeigen lassen, ohne den Blick auf die reale Maschine zu verlieren. Was anfangs noch von vielen als Marketing-Gag gehalten wurde, erleichtert schon heute die Arbeit tausender Arbeiterinnen und Arbeiter.

Wenn Virtual Reality benutzt wird, gibt es keine Verknüpfung mit der realen Umgebung. Durch sogenannte VR-Brillen wird lediglich der digitale Raum von den Nutzern wahrgenommen. Zusätzlich können Controller und Datenhandschuhe genutzt werden, um interaktiv an der virtuellen Realität teilnehmen zu können. Auch hier ist die Gaming-Industrie Vorreiter. Unter anderem gibt es für die beliebte Spielekonsole Playstation 4 ein großes Angebot an Virtual Reality. Mit einer eigens entwickelten VR-Brille und passenden Controllern taucht der Spieler komplett in die virtuelle Realität ab und verliert dabei die reale Umgebung aus dem Auge. Das neue Videospielerlebnis hat sich bislang mehr als fünf Millionen Mal verkauft. Ein voller Erfolg für den Hersteller.

Praxisbeispiele – Hier kommt Augmented Reality und Virtual Reality bereits zum Einsatz

Neben der bereits angesprochenen Gaming-Industrie haben auch andere Branchen die Chancen und Möglichkeiten des digitalen Wandels erkannt. Während Virtual Reality größtenteils nur für Schulungszwecke genutzt werden kann, hat die Augmented Reality den Vorteil, auch bei echten Arbeitseinsätzen zu unterstützen. Große Wartungsunternehmen und Facility Management Konzerne machen sich aktuell die Technologie bereits zu Nutze. Hinweise zu Maschinen und anderen Geräte können über eine App oder Datenbrille direkt am Einsatzort angezeigt werden. In technischen Ausbildungen gehört die Lernerfahrung und der Umgang mit Augmented Reality heutzutage zum alltäglichen Lehrplan. Auszubildende lernen die zusätzlichen Informationen, die durch Augmented Reality verfügbar sind, sinnvoll und effizient im Arbeitsalltag einzubinden.
Neben den Instandhaltungs- und Wartungsarbeiten können auch Entwicklungsmethoden durch Augmented Reality vereinfacht werden.

Eines der bekanntesten Beispiele ist hierbei die Deutsche Bahn. Während früher die Planungen mühsam auf Papier durchgeführt werden mussten und Wartungen an teuren Testzügen trainiert wurden, werden die Technikerinnen und Techniker heute bereits in der Ausbildung mit den Vorteilen von Augmented Reality vertraut gemacht. Bei der Planung können vorhandene Karteninformationen mit Daten aus der Bodenanalyse angereichert werden. So lernen die Auszubildene digital die Bedingungen die vor Ort anzufinden und sie nachzuvollziehen. Aufwändige Reisen und separate Ausmessungen gehören so der Vergangenheit an. Für die Deutsche Bahn ist Augmented Reality ein elementarer Baustein in der Ausbildung von angehenden Fachkräften. Der interne IT-Dienstleister Systel entwickelt regelmäßig neue Testszenarien, damit auch Weiterbildungen angeboten werden können. Trotz des Aufwands an Entwicklung und IT-Hardware lohnt sich die Ausbildung durch Augmented Reality auch finanziell für die Deutsche Bahn.

Für berufliche Ausbildungen bietet auch die Virtual Reality einen großen Mehrwert. Mit Hilfe von VR-Brillen sowie den geschaffenen virtuellen Welten können Trainingssituationen realistisch und interaktiv gestaltet werden. So können in der Medizin angehende Ärzte virtuell in den menschlichen Körper reisen oder Situationen nachvollziehen, die sonst schwer trainierbar sind. Dazu zählen beispielsweise besondere Stresssituationen wie Operationen oder Notarzt-Einsatz die mit Hilfe von Virtual Reality in einer noch nie dagewesenen Realität geübt und erlebt werden können. Ein weiteres außergewöhnliches Praxisbeispiel findet man in der Sportwelt. Während der Corona-Beschränkungen waren Kontaktsportarten auf Grund der Infektionsgefahr streng verboten. Besonders einfallreich ging der britische Profi-Boxer Tamuka Mucha mit der Situation um. Damit er die eingeübten Bewegungen sowie die Trainingspraxis nicht verliert tritt Mucha mit einer VR-Brille in den Ring. Er hat so mit virtuellen Gegnern trainiert, um die körperliche Fitness nicht zu verlieren. Ein netter Nebeneffekt des Trainings ist, dass der Profi-Boxer zwar Trainingsübungen realistisch nachempfinden kann, sich der Trainingspartner aber nur virtuell wehrt. Echte körperliche Treffer muss Mucha in dieser Form des Trainings also nicht befürchten.

Neben den fachlichen Inhalten, die durch den Einsatz der neuen Technologien vermittelt wird, erhöht sich auch der Spaß am Lernen. Die angehenden Fachkräfte können den Beruf interaktiv und modern erlernen. Außerdem haben wissenschaftliche Quellen beweisen, dass durch die Visualisierung der Lehrinhalte diese besser im Gedächtnis bleiben. Augmented Reality und Virtual Reality verbessern also sowohl die Qualität also auch den Spaßfaktor der beruflichen Ausbildung. Außerdem zeigen die Praxisbeispiele, dass Augmented Reality bereits heute vielfältig genutzt werden kann. Vor allem als Unterstützung bei beruflichen Ausbildungen ist es sinnvoll die neue Technologie einzubinden.

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